post-title Gutenberg https://anke-feil.de/wp-content/uploads/2019/03/20190210_Gutenberg800x381.jpg 2019-02-10 12:00:34 yes no Gepostet von Kategorien: Wordpress

Gutenberg

Gepostet von Kategorien: Wordpress
Gutenberg

Der neue WordPress-Editor

Mit der Ver­si­on 5 wird der alte Edi­tor von Word­Press abge­löst. Die Umstel­lung ist kei­ne ein­fa­che Ange­le­gen­heit, wenn man den alten Edi­tor lan­ge Jah­re benutzt hat. Ande­rer­seits: Man hat über die Jah­re auch alle Ein­schrän­kun­gen akzep­tiert, man hat mög­li­cher­wei­se die Män­gel nicht mehr wahr­ge­nom­men. Der Umstieg steht an. Jetzt. Und es wird ver­mut­lich nicht ganz ein­fach sein.

Machen wir doch gleich mal einen prak­ti­schen Test und Nut­zen eine der Neue­run­gen von Guten­berg, den mehr­spal­ti­gen Text. Los geht’s:

Die Herausforderung

Es ist wie so häu­fig im Leben: Wir haben uns an etwas gewöhnt. Schnell sind wir gedank­lich bei einem „Das war schon immer so“ — vor allem, wenn etwas Neu­es kommt, das lieb­ge­wor­de­ne Gewohn­hei­ten und funk­tio­nie­ren­de Abläu­fe erset­zen soll.

Wenn das Neue von uns nun anfangs auch noch Mehr­auf­wand ver­langt, dann begrüs­sen wir es meist nicht wie eine lang erwar­te­te Erlö­sung.

Der alte Ansatz

Wer viel schreibt und nicht nur auf gute, son­dern auch über­sicht­lich gestal­te­te Tex­te Wert legt, für den war der alte Stan­dard-Edi­tor namens „TinyMCE“ nur schwer­lich zu ertra­gen, denn ihm fehl­ten vie­le For­ma­tie­rungs­mög­lich­kei­ten. Ich hat­te ihn des­halb bereits vor lan­ger Zeit durch „WP Edit“ ersetzt.

War die Zeit vor WP5 tat­säch­lich gol­den?

Der Edi­tor WP Edit, der als Plugin in Word­Press ein­zu­bin­den ist, ermög­licht eine indi­vi­du­el­le Anpas­sung der For­ma­tie­rungs­leis­te mit diver­sen sinn­vol­len But­tons, einen Ex- und Import der Ein­stel­lun­gen und vie­le wei­te­re nütz­li­che Fea­tures (Abbil­dung 1).

Der erste Eindruck

Und nun der Neue: Guten­berg. Anfangs sieht die­ser Edi­tor aus wie — ja, wie eigent­lich? Ist er weni­ger intui­tiv? Ver­wir­rend? Nicht hilf­reich? Ich wer­de genau­er hin­schau­en müs­sen …

Der zweite Eindruck

Bereits nach kur­zer Zeit kom­me ich zu dem Ergeb­nis, dass nicht nur enorm viel Poten­ti­al in Guten­berg steckt (das wir ent­de­cken müs­sen, ja, es viel­leicht sogar müh­sam erobern), son­dern dass dem neu­en Edi­tor ein wirk­lich guter und enorm struk­tu­rier­ter Ansatz zugrun­de liegt.

Natür­lich gibt es Ver­bes­se­rungs­po­ten­ti­al — aller­dings sind das aus mei­ner Sicht Din­ge, die das Word­Press-Team im lau­fen­den Betrieb vor­neh­men kann, was für eine Open-Source-Soft­ware ein völ­lig nor­ma­ler Pro­zess ist. Heu­te, im Febru­ar 2019, ist Guten­berg aus mei­ner Sicht ein ein­setz­ba­rer Edi­tor, mit des­sen Schwä­chen ich schnell zu leben gelernt habe — wegen der Vor­tei­le.

Aller­dings lese ich immer mal wie­der, dass man­che Benut­ze­rIn­nen nicht zurecht kom­men mit der neu­en Schreib- und Gestal­tungs­ober­flä­che.

Es geht auch ohne

Da bleibt immer noch die Mög­lich­keit, Guten­berg zu deak­ti­vie­ren und zum alten Edi­tor zurück­zu­keh­ren. Ein Plugin kann die­se Arbeit verr­rich­ten — und man hat sei­nen alten Edi­tor wie­der. Ob das eine gute — und vor allem lang­fris­ti­ge — Lösung ist, kann heu­te kaum beur­teilt wer­den.

Andere Konzepte

So ganz ver­ste­hen kann ich die kom­plet­te Ableh­nung Guten­bergs aller­dings nicht: Man könn­te ja, wenn man Guten­berg als zu anstren­gend und viel­leicht sogar ablen­kend emp­fin­det, sei­ne Tex­te ganz puris­tisch in einem spar­ta­ni­schen Edi­tor (wie bei­spiels­wei­se Note­pad++) ver­fas­sen und dann die „Setz­ar­beit“ in Guten­berg vor­neh­men. Denn für eine bes­se­re Text­ge­stal­tung abseits des Schreib­pro­zes­ses ist Guten­berg sicher kei­ne schlech­te Wahl.

Sieht doch ganz gut aus!

Ja, Text­ge­stal­tung — in die­sem wich­ti­gen Bereich kann Guten­berg tat­säch­lich punk­ten. Man muss natür­lich um des­sen Fähig­kei­ten wis­sen — womit wir wie­der beim Anfang wären: Man muss sich Guten­berg erar­bei­ten.

Das Beste aus zwei Welten?

Guten­berg bie­tet den Block „Clas­sic“ an, in dem bei­spiels­wei­se WP Edit (fast so wie vor­her, sie­he Abbil­dung 2) zur Ver­fü­gung steht.


Abbil­dung 1 — vor WP5: WP Edit bot bereits viel Funk­tio­na­li­tät

Abbil­dung 2 — WP Edit steht wei­ter­hin als „Clas­sic-Block“ zur Ver­fü­gung

Neue Features

Neue Fea­tures wie Spal­ten­text (in die­sem Arti­kel habe ich das oben ja gera­de aus­pro­biert), Tabel­len oder „Medi­en und Text“ gab es frü­her nicht in einer Stan­dard-Word­press-Instal­la­ti­on. Wer also einen eher spar­ta­ni­schen Edi­tor bevor­zug­te, die oder der wird mit der Viel­falt der Mög­lich­kei­ten Guten­bergs ver­mut­lich über­frach­tet.

Ande­rer­seits ist es natür­lich span­nend, die neu­en Mög­lich­kei­ten mal aus­zu­pro­bie­ren. Wir leben schliess­lich nicht mehr in der Zeit, in der HTML-Sei­ten von links oben nach rechts unten ver­lie­fen und die Ein­bin­dung von Fotos und for­ma­tier­ten Links noch klei­ne Sen­sa­tio­nen waren. Fri­sches Lay­out ist gefragt!

Haarspaltereien?

Das Spal­ten-Lay­out habe ich ja bereits oben aus­pro­biert. Dabei darf man natür­lich kei­nen Fliess­text erwar­ten, der sich — wie in einem Satz­pro­gramm — auto­ma­tisch in den Spal­ten ver­teilt. Hän­di­sche Arbeit ist gefragt, um den Text aus­ge­wo­gen zu ver­tei­len. Wem das zu viel ist, der oder die soll es ein­fach las­sen. Ich fin­de aber: Die Ergeb­nis­se kön­nen sich sehen las­sen.

Was mit Medien machen

Sol­che eher tech­ni­schen Arti­kel wie die­ser hier sind meist lang­wei­li­ge Text­wüs­ten. Es feh­len häu­fig — aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den — auf­lo­ckern­de Bil­der oder Gra­fi­ken, die so etwas wie Lese­ver­gnü­gen auf­kom­men las­sen. Und wenn man schon mal sol­ches Mate­ri­al hat, dann sieht das Lay­out häu­fig alt­ba­cken aus.

Wordpress: Gutenberg

Tes­ten wir also ein wei­te­res neu­es Fea­ture: Medi­en und Text. Das Hand­ling ist ein­fach, denn es gibt dafür einen defi­nier­ten Block. Die Dar­stel­lungs­mög­lich­keit ist nicht gra­nu­lar und das Vor­ge­hen intui­tiv.

Wer jemals Bil­der und den zuge­hö­ri­gen Text im alten Edi­tor an eine ande­re Posi­ti­on brin­gen woll­te, der oder die wird sich über die­ses Fea­ture freu­en. Sieht doch gut aus, oder? Und ist als kom­pak­ter Block pro­blem­los zu ver­schie­ben. Ich mag’s.

Ein (wirklich nur) kleines Fazit

Gera­de die­se Tage habe ich ernst­haft begon­nen, mich mit Guten­berg zu befass­sen — ich bin kein soge­nann­ter „Ear­ly Adop­ter“. Des­halb ist fast alles für mich unge­wohnt. Ja, auch ich hade­re ein wenig, denn ich kann nicht behaup­ten, dass ich so viel Kon­trol­le über mei­ne Tex­te und die Sei­ten­ge­stal­tung habe, wie es vor Guten­berg der Fall war.

Nach die­ser nur kur­zen „Erfah­rung“ mit Guten­berg kann ich fest­hal­ten: Der Umgang mit dem neu­en Edi­tor ist nicht ein­fach. Vor allem die Block­struk­tur nötigt mich zu einer ande­ren Denk- und Vor­ge­hens­wei­se.

Kei­ne farb­li­che For­ma­tie­rung für Über­schrif­ten?

Aber der neue Word­Press-Edi­tor ist vor allem eines: mäch­tig. Betrach­ten wir ihn nicht als Hilfs­mit­tel, das uns beim Ver­fas­sen guter Tex­te unter­stützt, son­dern als ein Design-Werk­zeug. Dann kön­nen nicht nur die neu­en Fea­tures hilf­reich sein, son­dern auch die kla­re­re und gut auf­ge­räum­te Struk­tur.

Natür­lich gibt es ein paar Bugs (die ver­schie­de­ne farb­li­che Dar­stel­lung der Zwi­schen­über­schrif­ten ist wohl so einer — oder sitzt das Pro­blem auch hier vor dem Bild­schirm?) und jede/r wird Din­ge fin­den, die unver­ständ­li­cher­wei­se noch feh­len: War­um kann ich bei­spiels­wei­se eine sol­che Über­schrift nicht farb­lich gestal­ten (ohne in den HTML-Modus zu schal­ten)?

Es wird auch für mich eini­ge Zeit dau­ern, bis ich mich gewöhnt haben wer­de an die neue Hand­ha­bung. Aber ich mer­ke bereits jetzt, dass da viel Poten­ti­al steckt in Guten­berg. Man muss es suchen, fin­den — und vor allem offen und neu­gie­rig sein.

Was alles fehlt

Klar, die­ser Arti­kel wird im Zwei­fel nicht aus­rei­chen, um offe­ne Fra­gen in Sachen Guten­berg zu klä­ren. Dazu ist der neue Edi­tor viel zu umfang­reich. Auch wird er Skep­ti­ke­rIn­nen kein begeis­ter­tes Lächeln auf die Lip­pen zau­bern kön­nen. All das war auch nicht das Anlie­gen: Ich woll­te ledig­lich sel­ber Erfah­run­gen machen und sie mit Ihnen tei­len.

Mein Ver­such zeigt, dass man grund­sätz­lich mit Guten­berg arbei­ten kann. Und Guten­berg wird blei­ben, wird wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den — denn es han­delt sich bereits heu­te um ein lang­fris­ti­ges Pro­jekt der Word­Press-Gemein­de, das nicht mor­gen „ein­fach so“ auf­ge­ge­ben wer­den wird.

Also ist es heu­te — nach­dem Guten­berg bereits eini­ge Mona­te „offi­zi­ell“ auf dem Markt ist und ver­mut­lich so man­che Kin­der­krank­heit besei­tigt wur­de — kein schlech­ter Zeit­punkt, mit dem Umstieg zu begin­nen.

Wie geht’s weiter?

Wer dafür nun noch eine gute Anlei­tung, ja eine Art Kom­pen­di­um für Guten­berg sucht, wird auf eine Fül­le von mehr oder weni­ger gut gemach­ten Erklär­vi­de­os tref­fen (ein rich­tig gutes habe ich noch nicht gese­hen). Als emp­feh­lens­wert erach­te ich die „Guten­berg Fibel“, ein online-Nach­schla­ge­werk mit dem Anspruch, „den neu­en Word­Press Block-Edi­tor ver­ste­hen und anwen­den“ zu wol­len.

Das ist eine gute und über­sicht­li­che Arbeit, für die ich der Autorin Jes­si­ca Lys­chik dan­ken möch­te.

-Web­mas­ter F.


Lesen Sie den Erfah­rungs­be­richt vom 30. Juni 2019: Mit Guten­berg über­wor­fen